Die Berliner Gnadenbrottiere

Die Berliner Geschäftsstelle des „Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.“ (bmt e.V.) betreibt zwar kein eigenes Tierheim, hilft jedoch bei in Not geratenen Tieren oder schlechter Haltung.
Auf dem Hof im niedersächsischen Thunpadel genießen insgesamt 15 Gnadenbrottiere des bmt e.V. ihr Leben. Der Hof wurde 1801 erbaut, 1971 von der Familie Lange gekauft und in den nächsten zehn Jahren weiter ausgebaut. Das erste Gnadenbrottier des bmt e.V kam 1982. Die beiden ersten Berliner Patentiere kamen 1996 und seitdem finanziert der bmt e.V. die Berlin die Kosten für zwei Ponys – sie gehören also praktisch zur Berliner bmt-Familie. Im Jahr 2011 kamen Mary und Basti als weitere Berliner Gandenbrottiere hinzu. Auf dem Hof im niedersächsischen Wendland können sie sich am Rest ihres Lebens freuen.


Am 11.05.17 waren Heike Bergmann (Tierheim Köln), Karsten Plücker (Tierheim Kassel und Vorsitzender des bmt e.V.) und Rolf Kohnen (Leiter der Berliner Geschäftsstelle) bei den Gnadenbrottieren zu Besuch – was zu Fressen gab es für die Tiere natürlich auch.

Hier bekommen Sie weitere Infos, auch bzgl. der Möglichkeit einer Patenschaft für Schneewittchen und Stoppelchen und Mary und Basti.

Im Herbst 2017 plant der bmt e.V. Berlin eine Fahrt zu den vier Gnadenbrottieren. Hierzu sind natürlich unsere Berliner Paten/innen herzlichst eingeladen, ebenso auch unsere Berliner Mitglieder, Spenderinnen und Spender. Interessent/innen können sich unter der angegebenen Telefonnummer (030-54085304) oder per Mail schon einmal beim bmt e.V. Berlin anmelden. Weitere Informationen werden dann noch bekannt gegeben.


Bündnis „Berlin gegen Tierversuche“ gegründet

Gemeinsam für ein wirksames, proaktives Verbandsklagerecht!

 

Die Landestierschutzbeauftragte von Berlin, Diana Plange, hat dazu aufgerufen, dass sich die verschiedenen Berliner Gruppen und Organisationen zusammenschließen und konkrete Aktionen zur Verbesserung der Situation von Tieren in Berlin einbringen, die dann im neu zu gründenden Tierschutzbeirat und der Berliner Verwaltung weiter verfolgt werden.

Die Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg e.V., der Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. Berlin und die Ärzte gegen Tierversuche e.V. - AG Berlin haben daher das Bündnis „Berlin gegen Tierversuche“ gebildet, um einen konkreten Beitrag zu leisten gegen die 99 Tierversuchslabore in Berlin, für ein tierversuchsfreies Studium in Berlin und für Aufklärung der Bevölkerung über den aktuellen Stand der Wissenschaft und über tierversuchsfreie Methoden. Als erste konkrete Forderung verlangt das Bündnis, dass im geplanten Verbandsklagerecht für Tierschutzvereine die Möglichkeit vorgesehen wird, dass klageberechtigte Vereine auch schon gegen die Planung von Tierversuchen gerichtlich einschreiten können. Das Verbandsklagerecht ist ein wichtiges Versprechen des aktuellen Berliner Senats und wir fordern nachdrücklich, dass es auch proaktiv wirksam gegen die absehbare Quälerei von Tieren eingesetzt werden kann.

 

Gemeinsam will das Bündnis alle Kräfte gegen Tierversuche in Berlin und darüber hinaus bündeln: Denn Berlin ist eine der Hauptstädte tierversuchsbasierter Forschung, einer antiquierten Forschung, deren Aussagekraft seit langem widerlegt ist. So versagen 95% aller Medikamentenwirkstoffe, die im Tierversuch für sicher und wirksam befunden wurden, beim Menschen. Die großen Skandale wie bei Lipobay oder Vioxx sind nur die Spitze einer erfolglosen und unwissenschaftlichen Forschung, für die jedes Jahr mehr als 2,8 Millionen Tiere in Deutschland sterben. Der größte Teil davon übrigens in der Grundlagenforschung, bei der es vorrangig um die Befriedigung wissenschaftlicher Neugier geht. Anstatt weiterhin Millionen Tiere zu töten und Milliarden an Forschungsgeldern in Methoden zu stecken, die weder zu neuen Medikamenten führen noch diese sicherer machen, muss aus unserer Sicht endlich umgesteuert werden und eine innovative, auf den Menschen bezogene Forschung ohne Tierleid vorangetrieben werden.

 

Alle Gruppen und Vereine, die sich ebenfalls gegen Tierversuche einsetzen möchten, sind herzlich eingeladen, sich am Bündnis „Berlin gegen Tierversuche“ oder den Aktionen des Bündnisses zu beteiligen!

 

Ansprechpartner für „Berlin gegen Tierversuche“ ist Marc Schlösser, Ärzte gegen Tierversuche e.V., AG Berlin

 

Ärzte gegen Tierversuche
Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche e.V. besteht seit 1979 und ist ein bundesweiter Zusammenschluss aus Ärzten, Tierärzten und Naturwissenschaftlern, die Tierversuche aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen ablehnen. Der Verein engagiert sich für eine moderne, humane Medizin und Wissenschaft ohne Tierversuche, die sich am Menschen orientiert und bei der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten sowie der Einsatz tierversuchsfreier Forschungsmethoden im Vordergrund stehen.
Ansprechpartner: Christian Ott

 

BMT Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.
Der Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V. (bmt) gehört zu den ältesten und größten Tierschutzorganisationen in Deutschland. Seine historischen Wurzeln reichen bis 1922 zurück („Verein gegen die Vivisektion von Tieren“). Der Bund gegen den Missbrauch der Tiere e.V. wurde 1952 (neu) gegründet. Ziel unserer Arbeit ist es, Tieren eine Stimme zu geben und ihren Schutz in unserer Gesellschaft zu verbessern. Die Berliner Geschäftsstelle des bmt besteht seit 1959.
Ansprechpartner: Rolf Kohnen

 

Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg e.V.
Entsetzt und empört darüber, was Tieren zum scheinbaren Wohle der Menschheit angetan wird, haben sich die Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg e.V. 1978 gegründet, damals noch unter dem Namen Arbeitskreis gegen Tierversuche e.V.. Sie setzen sich aus ethischen und medizinischen Gründen gegen Tierversuche ein. Ziel ist die Abschaffung aller Tierversuche. Sie fordern stattdessen innovative, auf den Menschen bezogene, tierversuchsfreie Forschungsmethoden. Sie verfolgen eine Ethik, die durch Achtung und gewaltfreien Umgang allem Leben gegenüber geprägt ist.
Ansprechpartnerin: Anna Wagner


Für ein Wildtierverbot in Zirkussen

Auch der Berliner Bezirk Reinickendorf hat jetzt ein "Auftrittsverbot für Zirkusse mit Wildtieren" auf bezirkseigenen Flächen beschlossen.

Bereits vorher hatte auf Initiative des “Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V Berlin” (bmt e.V. Berlin) der Bezirk Berlin-Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Mitte einem Antrag für ein “Auftrittsverbot für Zirkusse mit Wildtieren” auf bezirkseigenen Flächen zugestimmt.

 


Damit gibt es nun zehn von zwölf Bezirken in Berlin, in dem solch ein entsprechendes Auftrittsverbot gilt.

 

Der bmt e.V. Berlin hat diesbzgl. im Herbst 2016 mehrere Fraktionen in den Bezirksparlamenten der letzten noch fehlenden sechs Bezirke (Spandau, Reinickendorf, Lichtenberg, Mitte, Neukölln und Marzahn-Hellersdorf) angeschrieben.

In Neukölln und Spandau hüllen sich die angeschriebenen Fraktionen (SPD, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen) noch in Schweigen. Daher hat der bmt e.V. Berlin nun auch Kontakt zu den tierschutzpolitischen Sprechern auf Landesebene der drei Fraktionen aufgenommen. Der rot/rot/grüne Berliner Senat plant auch ein entsprechendes Verbot auf Landesebene.


Für ein Pferdekutschenverbot in Berlin

 

Gemeinsam mit der Initiatorin (Julia Maier) der online-Petition für eine "Pferdekutschenverbot in Berln" kämpft der bmt e.V. für ein entsprechendes Verbot. Inzwischen hat der zuständige Senator im Juli 2017 die Unterstützungsunterschriften der Petition angenommen (mehr als 100.000), aber das generelle Pferdekutschenverbot läßt auf sich warten. Mit einem ersten Schritt hatte der Bezirk Mitte den Pariser Platz am Brandenburger Tor für Pferdekutschen gesperrt. Ein Berliner Gericht hat dies jedoch rückgängig gemacht.

 


Eichhörnchenfalle: Die Gefahr auf dem Friedhof

Wer mag sie nicht, die roten Fellknäule mit dem buschigen Schwanz, die im Herbst ihre Futtervorräte verstecken. Doch das Trinken ist für Eichhörnchen natürlich genauso wichtig und leider nicht ohne Risiko. Jegliche Art von Wasserbecken, Regentonne oder Pool kann für die Tiere schnell zur Todesfalle werden. Nicht nur in Privatgärten, sondern auch auf Friedhöfen. Durstige Eichhörnchen, Vögel und andere Kleintiere springen häufig unbedarft an die Wasserquelle und rutschen beim Trinken am Rand ab. Sie können sich an der glatten Wand nicht hochziehen und kämpfen in dem Becken um ihr Leben – ohne Aussicht auf Rettung. Zur Jungtierzeit spitzt sich das Problem weiter zu: Wenn Muttertiere ertrinken, stirbt sogar der ganze Wurf mit ihnen. Weiterlesen können sie in unsrem Mitgliedsmagazin "Das Recht der Tiere" Nr. 01/17, Zeitschrift "Friedhofskultur" und hier.


„Was soll ich tun, wenn ich eine verletze Taube finde?“

…..ist die Gretchenfrage, die am häufigsten an Stadttauben-Infoständen gestellt wird.
Wichtig: Die Taube sichern, d. h., einfangen und in einen sicheren Behälter setzen.
Wer ein hilfloses Tier einfach nur meldet, geht und ggf. anschließend nicht mehr erreichbar ist, darf nicht erwarten, dass Vogelretter, die evtl. erst in 2 Stunden vor Ort sein können, das Tier trotz ausgiebiger Suche noch finden. Oft ist es bereits ganz woanders hin gescheucht worden, sitzt nunmehr im toten Winkel hinter dem Rad eines geparkten Autos, ein Beutegreifer, Auto usw. waren schneller.

Keine Angst, wer mit einer Taube in Berührung kommt, wird genauso wenig krank wie von Amsel, Drossel, Fink und Star. Hände-Waschen wie sonst auch üblich.

Beherzt zugreifen: Durchatmen gegen die eigene Aufregung, aber bedenken, dass der Vogel evtl. noch mit letzter Kraft zu flüchten versucht.

Der Fluchtweg in den Verkehr sollte also abgeschnitten sein, notfalls eine zweite Person (Anwohner / Passanten) dazu bitten, sich in den Weg zu stellen oder selber aus der entsprechenden Richtung so an das Tier herangehen, dass es allenfalls in eine „ungefährliche“ Ecke (Hauseingang o. ä.) ausweichen kann. Traut man sich nicht, kann man u. U. einen Karton oder umgedrehten Wäschekorb darüber setzen, ggf. beschweren, bis weitere Hilfe kommt. Geht dies alles nicht, dann bitte bei dem Tier bleiben bis Helfer eintreffen.
Wenn zum Transport momentan nichts anderes zu Verfügung steht, hilft zunächst ein Stoffbeutel. Oft bekommt man in Drogeriemärkten o. ä. einen passenden Karton für den weiteren Transport. Bitte darauf achten, dass ein bereits stark geschwächtes Tier nicht weiter auskühlt.

Und nun? Wer einen Facebook-Account hat, erfragt ggf. Hilfe auf speziellen Seiten für Taubenrettungen oder Wildvogelhilfen. Die Helfer*innen können sich nicht überall sofort hinbeamen, haben meist keine Autos und alle Hände voll zu tun, leisten die ehrenamtliche Arbeit auf eigene Kosten. Aufs Telefon angewiesen berichten die Finder hilfloser Tauben oft von einer langen Odyssee durch Behörden und weitere Organisationen. Oft verweist einer an den anderen. Kinder, die nirgendwo Hilfe für eine flugunfähige Taube gefunden hatten, wollten beim nächsten Anruf die Polizei anlügen, sie hätten einen Hund gefunden und keine Stadttaube.

Grundsätzlich kann ein Finder Wildvögel und Stadttauben in der Kleintierklinik in Düppel abgeben – viele Tierschützer suchen jedoch nach anderen Lösungen.
Ob eine Tierarztpraxis vogelkundig ist, lässt sich erfragen. Manche Praxen bieten eine Erstversorgung an, verweisen aber in komplizierten Fällen an eine spezialisierte Vogelpraxis zur Weiterbehandlung.

Am Wochenende wird es eng. Einzelne Tierarztpraxen (auch welche mit 24-Stunden-Öffnung) verwiesen zuletzt direkt nach Düppel, manche nehmen aber auch Tauben zur Behandlung an. Also vorher fragen, es gibt immer wieder Änderungen. Manchmal kann ein Finder eine Taube ohne Kosten oder gegen Spende nur abgeben, aber nicht überall bei der Behandlung dabei sein und erfährt hinterher nur bedingt, was aus dem Tier geworden ist. Wer bei der Behandlung dabei sein will, übernimmt ggf. die Behandlungskosten und die Verantwortung für die anschließende Pflege wie bei einem Haustier. Je nach Praxis sind die Regelungen unterschiedlich. Nur wenige Tierarztpraxen können Tauben bei begrenzten Kapazitäten zur Pflege aufnehmen und/oder an eine Pflegestelle weitergeben.

Pflegestellen für kranke und verletzte Tauben sind generell Mangelware und befinden sich überwiegend in privaten Haushalten. Nicht alle Tauben gesunden komplett in wenigen Wochen. Müssen sie nach der Akutpflege zum Fit-Werden vorübergehend in eine Voliere, wird es schon schwierig. Bleibt ein Handicap, muss ein dauerhafter Volierenplatz i.d. R. außerhalb Berlins mühsam gesucht werden. Aufzupäppelnde Jungtauben sind ein besonderes Problem: Plätze in Jungtaubenvolieren, in denen die Tiere fliegen lernen und bis zur Geschlechtsreife bleiben, gibt es so gut wie nicht mehr, geschweige denn Taubenschläge, in denen diese Tauben anschließend angesiedelt werden können: In Taubenschläge an großen Brennpunkten, an denen die Taubenanzahl verringert werden soll, gehören sie nicht, sie brauchen gesonderte Schläge an taubenarmen Stellen.
Der Mangel an Volierenplätzen führt teilweise dazu, dass Tauben länger als unbedingt nötig Akutpflegeplätze belegen müssen. Die Ehrenamtlichen sind an ihren Kapazitätsgrenzen, zuständig für das Problem sind sie nicht. Sie hoffen auf Unterstützung durch den Senat.

 

Der bmt e.V. hilft bei der Finanzierung von Taubenfutter. Sie können uns dabei mit einer Spende unterstützen.

Wer uns evtl. mit einer Spende für Taubenfutter unterstützen möchte - unsere Bankverbindung lautet:

Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.
Betreff: Taubenfutter
IBAN: DE84100100100009603107
BIC: PBNKDEFF

oder per paypal.

 

Fotoquelle: Copyright U. Eckert


Tauben in Berlin

„Das ist ja toll, dass Sie sich um die Tauben kümmern“, sagt plötzlich ein etwa fünfzigjähriger Mann zu mir mit Blick auf die Tauben, die sich grade auf das von mir ausgestreute Taubenfutter stürzen. „Die Tauben sehen ja gut aus.“

 

Ich bin überrascht. Oft trifft die, die sich um Stadttauben kümmern, soziale Verachtung, Beleidigungen oder sogar tätliche Angriffe.

 

Trotzdem sei ich mit der Situation, Tauben auf der Straße zu füttern, gar nicht glücklich, erkläre ich.  Früher habe ich nur kranke Tauben mitgenommen, die ohne bzw. bei unzureichender Fütterung dort überall herumsaßen. Ich wusste nicht mehr, wohin mit ihnen, genug Pflegeplätze gab es schon damals nicht. Mit Bemühungen um einen Taubenschlag habe ich angefangen zu füttern, um die Tiere gesund zu halten, dachte, in spätestens zwei bis drei Jahren die Fütterung zugunsten eines Taubenschlages einstellen zu können. Aber nichts dergleichen, anderswo wurden sogar Taubenschläge geschlossen. Die Hoffnung, dass es doch noch Taubenschläge geben möge, ist nicht aufgegeben, aber solange können die Tauben auf der Straße eben nicht warten. Gefütterte Tauben stören weniger, sie verlassen die Futterstelle, wenn sie satt sind, fliegen ggf. in alle Richtungen weg, sitzen mit vollen Kröpfen irgendwo oben, beschäftigen nicht mit der gefährlichen und als Belästigung empfundenen Futtersuche am Boden.  Die Vermehrungsrate kann man ohne Eiaustausch in einem Schlag nicht bremsen, auch nicht durch Nahrungsentzug. Zwar kann man  versuchen, ein massenhaftes Angebot wilder Brutplätze zu verhindern, z. B. in offen stehenden Dachstühlen. Aber das ist Sisyphosarbeit, denn schon bietet der nächste Bauschaden und die nächste Baustelle Nischen mit neuen Brutgelegenheiten - immer mit der Gefahr, dass Tauben dort eingeschlossen werden wie sich in der Praxis zeigte. Brüten müssen die Tauben, das wurde ihnen vom Menschen so angezüchtet,  6-7x im Jahr - Kälte und Hunger sind kein Hindernis. Es sind eben keine Wildvögel.

 

Wer in der jetzigen „Reisezeit“, auf der entsprechenden Website die Auflassticker der Brieftaubenzüchter öffnet, sieht, dass an jedem Wochenende Zehntausende von Zuchttauben in einer Entfernung von mehreren hundert Kilometer zum Rückflug in den heimatlichen Schlag freigelassen werden. Ein paar „Champions“ erzielen hohe Preisgelder. Würden nur 10% - wie offiziell angegeben - den Rückflug nicht schaffen, kann man sich die Anzahl der Nicht-Rückkehrer  ausrechnen. Sie liegt wahrscheinlich noch viel höher. Wer nicht schon vorher buchstäblich als auf der Strecke bleibt, strandet als „Verlierertaube“ zur freien Vermehrung in den Städten, ebenso wie die vielen bunten Rassetauben, die eher aus der Nähe stammen. Als ich den Mann auf die besonders gefärbten und befiederten Tauben aufmerksam mache, fallen ihm in dem Schwarm immer mehr davon auf.

Die Anzahl kranker, an den Füßen verschnürter Tauben und vorzeitig aus dem Nest gefallener,   unterentwickelter Küken ist durch artgerechte Fütterung prozentual zurückgegangen. Füttern ermöglicht, die Tiere im Schwarm genau zu beobachten. Tauben mit verschnürten Füßen oder Verletzungen versuchen die Fütterer aus dem essenden Pulk herauszugreifen. Das erfordert Zeit, Konzentration und Ruhe, Geschick und manchmal das Abwarten einer günstigen Situation. Oft wäre man besser zu zweit, vier Augen sehen mehr, da die Tauben wegen Störungen immer wieder erschreckt auffliegen.  Wenn ein dringender Fang nicht gleich aussichtsreich erscheint, versuche ich mir besondere Merkmale der Taube einzuprägen, um sie später unter ihren vielen Artgenossen leichter wiederzufinden. Fehlversuche beim Fangen würden die betreffende Taube sehr vorsichtig werden lassen. Ggf. würde sie auch für einige Zeit nicht mehr auftauchen.

 

Mit etwas Übung und Erfahrung lässt sich auch beobachten, ob eine Taube evtl. krank ist, aufgeplustert am Rand steht, vor Schluckbeschwerden kaum isst, von den mehreren Täubern gemobbt wird usw.

 

Nach dem Einfangen ergibt sich allerdings ein neues Problem: Wo findet man evtl. noch einen Pflegeplatz? Tierarztbesuch und Kosten müssen organisiert werden. Volieren sind Mangelware. Noch immer werden unzählige Tauben in Berlin jedes Jahr aus blanker Not in privaten Haushalten und auf private Kosten gepflegt. „Was ich gesund füttere,“ brachte es eine Taubenschützerin auf den Punkt, „muss ich mir später nicht ins Wohnzimmer setzen.“ Einige Tierschützer geben unter solchen Bedingungen schnell wieder auf oder fangen lieber gar nicht erst an, sich näher auf Stadttauben  einzulassen. Wo kann man Tauben überhaupt ungestört füttern? – Oft gibt es keine solchen Ort. Wie die Kosten und Pflegekosten über Jahre hin stemmen? Leid sehen, ohne helfen zu können? Wie kommt man an Taubenschläge? „Ihr habt euch doch jahrelang vergeblich bemüht,“ äußern manche resigniert.

 

Welche Erleichterung gestern, als ich eine Taube nach Entfernung der Fäden gleich wieder fliegen lassen konnte, weil noch nicht alles tief eingeschnitten und entzündet war, die Sehnen noch funktionsfähig!

 

Während ich dem interessierten Mann kurz die Vorzüge von Taubenschlägen erläutere und er erstaunt ist, dass er (abgesehen einigen den Haussperlingen) nur befiederte Haustiere (!) vor sich sieht und dass es sich bei dem weltweiten Stadttaubenproblem mit Millionen von Stadttauben um ein weltweites Taubenzuchtproblem handelt, habe ich eine sehr kleine Jungtaube im Blick, die immer in einiger Entfernung vom Schwarm allein herumsteht - kein gutes Zeichen.

 

Ich verabschiede mich von dem freundlichen Mann, er nimmt noch einen Stadttauben-Infoflyer mit.

 

Die übrigen Nachzügler bekommen jeweils nur noch kleine Futtermengen hingestreut, es bleibt am Schluss kein Körnchen liegen, nur einzelne Krümel Futterkalk und Grit. Die sind am nächsten Tag auch weg. Wie ich sehe, fliegt die kleine Taube inzwischen mit dem Restschwarm auf, landet auch mit ihm – und pickt - sie reagiert also zumindest adäquat, ist vielleicht unerfahren. Andere Schwarmneulinge kämpfen von Anfang an mit ausgebreiteten Flügeln ums Futter. Die Vögel sind unterschiedlich und individuell wie z. B. Katzen: Eine ältere Taube hält sich immer wieder in meiner Nähe auf – der Grund: Sie pickt als einzige Taube nur einzelne Sonnenblumenkerne aus dem frisch hingeworfenen Futter. Eine andere, die mir zu folgen pflegt, ist überhaupt nicht wählerisch. Warum folgt sie mir?  Andere verspeisen alles, systematisch in einer Richtung vorgehend, weichen Menschen grundsätzlich aus. Ein Täuber ist so extrem hektisch, dass ich zuerst an eine neurologische Erkrankung denke, aber er ist völlig koordiniert. Auf ihn werde ich weiter achten.

Eine weitere Taube hüpft auf nur auf einem Bein, das andere steht nach einem Bruch quer ab. Sie ist so scheu, dass ich einfach nicht in ihre Nähe kommen kann. Ein Blick, und sie fliegt weg. Sie kann sich ihr Futter nicht erlaufen, ebenso wie es viele Tauben mit durch Fäden verkrüppelten Beinen schlecht können.

 

Besonders häufig beobachtete ich Tauben mit schlimmen Beinen in Städten mit Fütterungsverbot. Ein Blick auf den Marktplatz -  und man ahnt, was in der Stadtverordnung zu Tauben steht.

 

Unter den Tauben, die zuletzt kommen, sind oft die Kranken und Eingeschränkten. In einem Taubenschlag hätte man auf sie leichter Zugriff, könnte sie rechtzeitig behandeln. Wenn das Nahrungsangebot nur noch für ein paar Stärkere reicht, gehen solche gehandicapten Tauben zuerst unter.

 

Tauben sind recht lernfähig. Der Fressschwarm hat z. B. gelernt, sich nicht dort niederlassen, wo er zu dicht an den Verkehr geraten könnte. Bricht nur eine einzige Jungtaube die Regel und landet vorzeitig auf dem Bürgersteig, verschwindet das Futter samt Mensch sofort für einige Zeit außer Sichtweite. Das wirkt meist für 3-6 Monate auf den gesamten Schwarm. Die entgegen fliegenden Tauben überprüfen das Gesicht des Futtergebers nur regelmäßig aus der Luft. Sie erkennen es unter Hunderten von Menschengesichtern, offensichtlich Meister der Mustererkennung. Hochschauen ist übrigens keine Gefahr, im Fliegen lassen diese Vögel nichts fallen.

 

Touristen aus aller Welt, die den auffliegenden Taubenschwarm gern fotografieren, haben oft Zeit und Interesse etwas über Stadttauben zu erfahren. Fast alle haben noch nie etwas von betreuten Taubenschlägen gehört, auch nicht die Touristen aus dem europäischen Ausland oder aus den USA. Für sie gibt es auch einen Flyer in englischer Sprache.

 

Wer uns evtl. mit einer Spende für Taubenfutter unterstützen möchte - unsere Bankverbindung lautet:

Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.
Betreff: Taubenfutter
IBAN: DE84100100100009603107
BIC: PBNKDEFF

oder per paypal.

 

Fotoquelle: Copyright U. Eckert