Alfons' Berliner Schnauze

Meine Aufgaben als Hund

 

Ick lebe ja nicht einfach so zum Spaß, sondern ick erfülle wichtige Aufgaben in dit Zusammenleben mit meine Führungskraft und andere Menschen. Dit haben übrigens alle Hunde gemeinsam: Ohne uns ist die Menschheit praktisch nicht handlungsfähig. Wir tun ständig Aufgaben übernehmen, die für die menschliche Gemeinschaft von große Bedeutung sind: Wir passen uff andere Tier*innen uff. Wir beschützen die Häuser. Wir verjagen Eindringlinge und Paketboten. Wir machen die Kranken, Alten und Gehandicapten glücklich. Wir finden Dinge und Menschen, von die keiner mehr gegloobt hat, dit man die noch finden kann. Wir sind jederzeit bereit, mit unsere Führungskräfte bis ans Ende von die Welt zu latschen. Manchmal wissen die Führungskräfte überhaupt nicht zu schätzen, wat wir allet leisten. Aber so ist halt dit Hundeleben. Als Hund musste damit klarkommen und dir in Bescheidenheit üben.


Zu meine Aufgaben gehört dit beispielsweise, immer sehr genau zu wissen, wo sich meine Führungskraft uffhält und wat sie an ihren Aufenthaltsort gerade tut. Diese Aufgabe erfülle ick sehr gewissenhaft, ooch nachts. Sobald sie sich in ihr Bette ooch nur een bisschen bewegen tut, springe ick uff und kieke nach, ob dit wat zu erledigen gibt. Außerdem biete ick ihr natürlich an, ob sie vielleicht mit mir spielen möchte oder ob sie mir vielleicht streicheln möchte, denn beides macht ihr oft großen Spaß. Zugegebenermaßen ist dit in die Nacht nicht ganz so ihr Ding, aber man weeß ja nie. Dinge können sich ja ooch ändern und da muss man sich als Hund druff einstellen. Manchmal schlafe ick nachts ooch gleich in ihr Schlafzimmer drinne mit Blick uff ihr Bett, damit mir nüscht entgeht. Wenn sie dann gegen morgen een Auge uffmacht, renne ick sofort zu ihr und zeige ihr, wie sehr ick sie mag, indem ick wie wild vor ihr Gesicht mit dem Schwanz wedeln tue. Mein größter Wunsch ist dit übrigens, in ihr Bett schlafen zu dürfen. Denne wäre ich der glücklichste Hund im Universum. Ist ja bald Weihnachten. Vielleicht klappt’s. Ehrlich gesagt, probiere ick ooch manchmal heimlich aus, wie sich dit in ihr Bett anfühlt. Wennse nicht da ist, lege ich mich versuchsweise da rein. Dann schlaf ick uff die Stelle ein, weil dit so himmlisch da ist. Wennse zurückkommt, muss ick aber schnell rausspringen, sonst gibt dit Ärger.


Außerdem kümmere ick mir ooch um meine Oma und mein Opa. Mein Opa ist schon sehr alt. Der ist so alt, dit er nachts keine Zähne mehr hat. Weil ick Angst habe, dit ick in Opas Zimmer ooch nachts meine Zähne verliere, gehe ick da nicht rein. Morgens, wenn er ausm Bad kommt, hat er übrigens wieder Zähne und alles ist gut. Mein Opa tut gern mit mir kämpfen. Dit ist so eine Art Ringkampf und weil ick een nettes Tier bin, lass ick ihn immer gewinnen. Ick beiße nur ganz sanft in sein Arm rin und knurre mal so zum Spaß, weil dit dem Opa so gefällt. Dann werfe ick mir uffn Rücken und der Opa ist Sieger und darf mir streicheln. Da freut er sich sehr. Der Opa macht übrigens noch jeden Tag Sport. Dit finde ick gut und da mach ick immer mit, wenn ick bei ihm bin. Erst recken und strecken wir uns. Danach nimmt der Opa so Eisendinger in die Vorderpfoten und hebt die ständig hoch. Da kann ick aber nicht mitmachen. Wie soll ick die Eisenteile denn festhalten? Also springe ick in die Zwischenzeit um ihn rum. Wenn wir fertig sind, hecheln wir beide und dann lassen wir uns zum Ausruhen uff meine Decke fallen. Der Opa darf nach dem Sport ausnahmsweise ooch uff meine Decke ruff. Ich durfte ja früher ooch seine Bürste benutzen. Meist kommt dann die Oma rin und schimpft, weil uff die Decke viele Haare von mir druff sind und die sind dann ooch uff dem Opa. Also kann die Oma uns nicht mehr unterscheiden. Sie ist eben ooch schon alt. Ick kann dit aber nicht ertragen, wenn die Oma unglücklich ist. Also geh ick zu ihr hin und mache „Sitz“ und biete ihr mein Pfötchen an. So weiß sie, dit ick dit bin und sie ist wieder glücklich. Dann kriege ick Bananenchips.


Stets dienstbereit grüßt
Euer Alfons

Johanna Stein